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Seit einem Jahr gibt es die Seeklinik Brunnen. Beat Moll, Vorsitzender der Geschäftsleitung, sagt was gut läuft und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Mit Beat Moll sprach Christoph Clavadetscher, Bote der Urschweiz

Ein Jahr ist vergangen, seit aus der Aeskulap Klinik die Seeklinik Brunnen wurde. Ist die Umstellung gut über die Bühne gegangen?

Wir sind mit dem Erreichten sehr zufrieden. Die Umstellung insgesamt war doch sehr umfassend. Angefangen beim neuen medizinischen Konzept über die entsprechenden organisatorischen und personellen Veränderungen bis hin zum physischen Umbau des Gebäudes mussten diverse Teilprojekte aufeinander abgestimmt werden. Dies alles erfolgte unter hohem Zeitdruck. Auf das Geleistete und das Erreichte dürfen die Mitarbeitenden stolz sein.

Es hat sich viel geändert. Unter anderem wurde die Bettenanzahl erhöht. Wie sieht die Auslastung heute aus?

In der Tat. Mit dem neuen medizinischen Konzept und dem klaren Fokus auf die stationäre Behandlung von Burn-Out, Depression und Schlafstörungen ging eine Erhöhung der Bettenzahl auf 47 Betten einher. Die Auslastung hat sich seit der Eröffnung kontinuierlich entwickelt und entspricht dem Businessplan. Über diese sukzessive Steigerung sind wir froh – so konnten wir unsere Prozesse stetig optimieren und waren in der Lage unsere Ansprüche an eine qualitativ hochwertige ganzheitliche medizinische Versorgung zu erfüllen.

Ist die Nachfrage nach Behandlungen im Bereich von psychischen Störungen wie Burn-out, Depressionen, Schlafstörungen, Lebens- und Orientierungskrisen wirklich so gross?

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass der Bedarf tatsächlich gross ist und die medizinische Neuausrichtung der Klinik wie auch die Erhöhung der Kapazitäten angezeigt war. Zum einen werden Themen wie Burn-out, Depression und Schlafstörungen heute offener diskutiert und Betroffene nicht mehr stigmatisiert. Diese Entwicklung begrüsse ich sehr, da so die Behandlungsbedürftigkeit früher akzeptiert wird und Leiden verkürzt werden kann. Natürlich erhöht das auch die Nachfrage und die Anzahl der Patienten.

Zum anderen müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, dass die heutige Gesellschaft, unsere Lebensform, unsere Lebensentwürfe aber auch die stetig wachsenden Anforderungen in der Arbeitswelt wie auch im privaten Umfeld, immer weniger Platz lassen für Menschen mit psychischen Auffälligkeiten. Hier möchten wir ansetzen und Unterstützung bieten, um Betroffenen eine Auszeit vom Alltag zu ermöglichen.

Als zentrales Element der Seeklinik Brunnen wurde auch ein Schlaflabor eingerichtet. Wie ist da Auslastung und Resonanz?

Mit dem Start sind wir sehr zufrieden. Der Schlaf ist ein sehr komplexes Thema und so sehr wir uns alle einen guten, erholsamen Schlaf wünschen, tritt er nicht immer ein. Unser Behandlungskonzept setzt allerdings nicht nur auf das Schlaflabor. Wir sind z.B. auch mit sogenannten Wearables (Armband, welches während 24 Stunden getragen wird und den Schlaf-Wach-Rhythmus aufzeichnet) und ambulanten Geräten ausgerüstet, die Atemstörungen aufzeichnen. Wir sind so in der Lage bereits einen grossen Teil der Schlafstörungen vor einer Nacht im Schlaflabor zu diagnostizieren. Zurzeit erforschen wir in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich die Wirkung einer Online-Therapie. Auch das soll dazu beitragen, dass Betroffenen niederschwellig und letztlich auch kosteneffizient geholfen werden kann. Im Übrigen sind wir so aufgestellt, dass wir uns sehr dynamisch auch einer grösseren Nachfrage anpassen können. In der Region ist unser Angebot einzigartig.

Geplant waren auch Forschungsprojekte zusammen mit der Universität Zürich. Wurden solche initiiert?

Bei diesem Thema sind wir noch nicht ganz soweit wie wir dies gerne hätten. Dies lag an den eigenen Ressourcen. Wir haben bei der stetig wachsenden Belegung die Versorgung und Betreuung der Patienten priorisiert und mussten die Forschung etwas zurückstellen. Dennoch sind wir einen Schritt weiter und ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr ein interessantes und spannendes Projekt aufsetzen werden.

Das geplante Ärztehaus im grossen Neubauprojekt beim Gänseteich scheint aber nicht zustande zu kommen. Das Projekt sieht nun nur noch Wohnungen vor. War das Ärztehaus nur eine leere Versprechung?

Nein, das war keine leere Versprechung. Wir sind einfach noch nicht soweit. Die Umstellung auf das neue medizinische Konzept, die organisatorischen und personellen Veränderungen und auch der Umbau der Klinik waren eine grosse Herausforderung für uns alle. Wir mussten unsere Kräfte bündeln und haben uns entschieden das Ärztehaus nicht gleichzeitig mit dem Aufbau der neuen Klinik zu realisieren. So sehr man diesen Entscheid bedauern mag, war er für die Klinik richtig. Wenn wir die gute Entwicklung der Klinik konsolidiert haben, werden wir das Projekt «Ärztehaus Brunnen» weiterverfolgen.

Wenn das Ärztehaus nicht dort realisiert wird. Folgt noch ein weiterer Neubau? Etwa auf der grossen Wiese oder zur Gersauerstrasse hin? Oder auf der Rückseite?

Es gibt tatsächlich Alternativen, die auch bereits als Entwürfe vorliegen. Ich denke es ist noch zu früh, um zu spekulieren, wo und wie das Ärztehaus Brunnen realisiert wird. Neben baulichen Optionen sind auch viele andere Kriterien wichtig, so zum Beispiel der Grad der Anbindung an die Klinikinfrastruktur, was wiederum massgeblich vom Betriebskonzept des Ärztehauses bestimmt wird. Und genau das scheint mir die wichtigste Fragestellung zu sein, die wir bei der Weiterverfolgung des Projektes als erstes klären werden.

Sie selber sind nun seit 150 Tagen im Amt. War Ihr Einstieg mitten in einem grossen Wandel der Klinik schwierig?

Ich wurde von meinen Kollegen in der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden sehr gut aufgenommen und erfahre eine grosse Unterstützung. Der Einstieg wurde mir so sehr leicht gemacht. Mein Vorgänger hat mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden eine sehr gute Ausgangslage geschaffen auf der ich aufbauen kann. Die grossen Veränderungen waren bereits vollzogen und in der Umsetzungsphase. Wir befinden uns nun im Feinschliff. Natürlich gab es auch die eine oder andere Anpassungshürde. So habe ich z.B. bereits am zweiten Arbeitstag ungewollt den Notfallalarm ausgelöst. Zum einen stellte ich fest, dass der Notfallalarm wirklich funktioniert, die alarmierten Mitarbeiter waren innert 20 Sekunden bei mir und zum anderen lernte ich, dass der rote Knopf in meinem Büro eben nicht ein «Besetzt»-Zeichen ist.  

Wie ist die Seeklinik heute aufgestellt - auch finanziell?

Die Seeklinik Brunnen AG ist als Betriebs AG für den operativen Betrieb der Klinik verantwortlich. Die «Gottfried und Julia Bangerter-Rhyner-Stiftung» in Basel ist 100%ige Aktionärin und auch im Besitz der Liegenschaft. Wir haben einen verabschiedeten Businessplan, den wir erfüllen werden. Somit sind wir gut aufgestellt und können uns auf den Betrieb der Klinik und die hochwertige Versorgung unserer Patienten konzentrieren.

Der Um- bzw. teilweise Neubau hat über 25 Mio. Franken gekostet. Wie hoch waren die Kosten nun am Ende konkret? (bzw. wie viel über Budget?)

Wir lagen mit dem Gesamtprojekt im Rahmen des Budgets und konnten die Bauarbeiten im Dezember 2014 wie geplant abschliessen und die neue Klinik am 1. Januar 2015 eröffnen. Wir profitieren nun von einer einladenden, modernen Infrastruktur. Besucher, denen ich die Klinik zeigen darf, sind immer wieder überrascht und begeistert über die Kombination von alt und neu und die tolle Atmosphäre, zu der natürlich auch die Mitarbeitenden viel beitragen.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf?

Bezogen auf die Klinik werden wir die Prozesse kontinuierlich optimieren und die Zusammenarbeit mit unseren Zuweisern laufend verbessern. Mit den bestehenden Kooperationen, z.B. mit dem Spital Schwyz, sind wir sehr zufrieden. Ich bin sicher, dass in der Zusammenarbeit mit anderen Leistungserbringern noch viel Potential steckt. Bezogen auf das weitere gesundheits- und gesellschaftspolitische Umfeld gibt es viel Handlungsbedarf. Da ist der Einfluss der Klinik natürlich bescheiden. Trotzdem engagieren wir uns in den übergeordneten Gremien wie beispielsweise dem Verband Spitäler Zentralschweiz Spize, um mit vereinten Kräften Themen anzustossen und gemeinsam gute Lösungen zu finden.

Was für weitere Projekte stehen an?

Im Moment konzentrieren wir uns auf den weiteren Aufbau der Seeklinik Brunnen. Wenn wir unsere primären Ziele erreicht haben, werden wir zusammen mit der «Gottfried und Julia Bangerter-Rhyner-Stiftung» die Möglichkeiten für den Aufbau des Ärztehauses Brunnen ins Auge fassen. Aber eines nach dem anderen.

 

Das Interview mit Beat Moll erschien am 26. Janurar 2016 im Bote der Urschweiz.


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