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Die Natur kommt zur Ruhe, Pflanzen ziehen sich zurück, Tiere machen Winterschlaf und auch der Mensch darf Energie sparen.

Der winterliche Energiesparmodus ist ein sinnvolles Anpassungssystem. Als der Mensch früher noch mehr im Einklang mit der Natur lebte, zwangen Kälte und kürzere Tageslichtzeiten ihn, seine Aktivitäten zu reduzieren und innerhalb die Räume zu verlagern. Die moderne Technik ermöglicht heute rund um die Uhr künstliches Licht und Wärme, so dass wir verlernt haben, mit den Gezeiten im Jahresverlauf zu leben. Wir nehmen daher an, dass wir das ganze Jahr gleichermassen leistungsfähig sein müssten, was nicht unserer Biologie entspricht.

Symptome erkennen

Von dieser ganz natürlichen Ruhephase ist die saisonale Depression, auch Winterdepression genannt, zu unterscheiden. Betroffene beklagen häufig eine ausgeprägte Schläfrigkeit, wodurch sie morgens schwer aus dem Bett kommen. Oft besteht ein vermehrtes Bedürfnis nach Kohlenhydraten, also Süssigkeiten. Weitere Symptome einer Winterdepression können Energie- und Lustlosigkeit, Unausgeglichenheit, gedrückte Stimmung, Gereiztheit und Antriebslosigkeit sein. Oft werden soziale Kontakte oder die eigene Person vernachlässigt. Häufig wird dieser Zustand von Jahr zu Jahr schlimmer und ist Betroffenen nur allzu gut bekannt.

Veränderte Hormonproduktion dämpft Antrieb und Laune

Bei der Entstehung der Depression spielen Gene, Hormone aber auch Stressbelastung und Stressverarbeitung eine Rolle. Experten vermuten die Ursache vor allem in den veränderten Lichtbedingungen im Winter. Wenn ab der Tag-und-Nachtgleiche im September die Tage kürzer als die Nächte werden, wird die Depression deutlich spürbar und kann in der dunklen Jahreszeit die Folge einer veränderten Hormonproduktion sein. Steht im Winter weniger Licht zur Verfügung, wird das Gehirn stärker zu Produktion des Schlafhormons angeregt als im Winter ohnehin üblich. Dies könnte eine Erklärung für die starke Müdigkeit und die depressiven Symptome sein, denn Melatonin dämpft auch Antrieb und Laune. Auch der Neurotransmitter Serotonin, bekannt als Glückshormon, ist an der Entstehung der Winterdepression beteiligt. Für die Produktion von Melatonin wandelt der Körper Serotonin um, folglich sinkt der Serotoninspiegel. Fehlt dem Gehirn Serotonin, versucht es den Mangel durch Lust auf Süsses auszugleichen. Zucker hilft, wieder mehr Serotonin zur Verfügung zu stellen.

Mögliche Behandlung

Um nicht jedes Jahr aufs Neue damit zu kämpfen, empfiehlt es sich, rechtzeitig im Spätsommer mit einer Lichttherapie zu beginnen. Mit 10'000 Lux kann über Lichteinfall auf die Netzhaut des Auges die Hormonproduktion wieder angekurbelt werden. Dazu reichen oft 30-45 Minuten am Morgen. Begleitende Psychotherapie ist sinnvoll, oft notwendig. In schweren Fällen können auch pflanzliche oder chemische Antidepressiva zur Anwendung kommen. Diese erhöhen ebenfalls den Serotoninspiegel im Blut und lassen Stimmung und Antrieb aufhellen.

» Beitrag als PDF (erschienen am 15.11.2017 im Bote der Urschweiz)

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