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Die Schlafhaltung kann mitentscheidend sein, wie erholsam der Schlaf ist. Rücken- und Bauchlage sind etwas «störanfälliger».

Nachdem mein Enkel (11) bei uns in den Ferien war, habe ich zwei Fragen zum Thema Schlafen: Welche Bedeutung hat die Schlafhaltung? Der Enkel drückt seinen Kopf beim Schlafen stark in den Nacken. Ist er vielleicht deshalb trotz ausreichend Schlaf am Morgen immer sehr müde? Tagsüber ist er dann sehr aktiv und sportlich?

Ganz individuell lassen sich Ihre Fragen aus der Ferne nicht beantworten, aber allgemein lässt sich Folgendes sagen:

Unsere Schlafposition ist sehr variabel. Das nächtliche Drehen gehört zum normalen Schlaf, jedoch verbringen wir die meiste Zeit in der individuell bevorzugten Schlaflage. Sobald wir diese einmal gefunden haben, bleibt es meistens dabei.

Rund 10 Prozent aller Menschen schlafen in Rückenlage. Dabei befinden sich der Kopf, der Nacken und der Rücken in einer geraden Achse. In dieser Position können ein teilweise ziemlich lautes Schnarchen und Atemaussetzer (sogenannte Apnoen) am häufigsten beobachtet werden.

Im Tiefschlaf entspannt sich die Muskulatur und dabei fällt der Zungengrund der Schwerkraft entsprechend nach hinten und «verstopft» somit die Atemwege. Bei vollständiger Okklusion entstehen immer wieder Atempausen und dadurch kommt es zu einer Fragmentierung des Schlafes. Dies wiederum führt dazu, dass der Schlaf nicht so erholsam ist.

Mehrheit in Seitenlage

Die Seitenlage wird von 70 Prozent der Bevölkerung eingenommen, wenige Prozente mehr auf der rechten als auf der linken Seite. In dieser Lage wird – vorausgesetzt, Matratze und Kissen sind gut gewählt – der Rücken und das Achsenskelett ausreichend entlastet. Das Schlafen in Seitenlage verhindert die Kollaps-Neigung der Atemwege. Schnarchen und Atempausen werden dabei nicht häufig. In linker Lage wird zudem der Rückfluss der Magensäure (sogenannter Reflux) in die Speiseröhre und den Mund aufgrund der Anatomie weniger beobachtet. 20 Prozent der Patienten schlafen in der Bauchlage. Dies ist die unnatürlichste Schlaflage, aber zwangsläufig zu Problemen muss es deswegen nicht kommen.

Schlafbedürfnis individuell

Das Schlafbedürfnis ist individuell und altersabhängig, und der Schlafrhythmus verändert sich mit dem Alter. Die durchschnittliche Schlafdauer eines Erwachsenen beträgt knapp 8 Stunden, doch auch markante Abweichungen nach unten oder oben können normal sein.

Zu den Kindern und Jugendlichen: Das Schlafbedürfnis nimmt vom Neugeborenen (bis 3 Monate) von 16 bis 18 Stunden täglich bis zu 14- bis 16-Jährigen auf etwa 9 Stunden ab. Ein 10-jähriges Kind braucht ungefähr 10 bis 11 Stunden Schlaf.

Bei Teenagern verschiebt sich der Schlafrhythmus nach hinten. Jugendliche sind deshalb morgens später leistungsfähig und abends mit Verzögerung länger wach. Aus diesem Grunde wäre es gut, den Schulbeginn ebenfalls nach hinten zu schieben. Aus Sicht der Schlafmedizin sollte er erst um 8.30 oder 9.00 Uhr erfolgen. Zudem haben adoleszente Kinder nach dem Zmittag oft auch einen Leistungseinbruch.

Zu beachten ist auch: Bei Kindern, die wenig Bewegung haben, ist die Einschlafzeit deutlich verlängert (pro Stunde weniger Bewegung durchschnittlich 3 Minuten ). Somit verschiebt sich das Schlafen zusätzlich nach hinten. Auch deshalb sollte das Schlafbedürfnis altersgerecht an das Kind angepasst werden.

Dr. med. René Fiechter
Medizinischer Leiter Schlafmedizin
Facharzt für Pneumologie und Somnologie (SGSSC)

Dieser Ratgeber-Beitrag ist am 5.9.2017 in der Gesamtausgabe der Luzerner Zeitung in der Rubrik «Ratgeber» erschienen.

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